„Drums just always sounded like the most fun part of that good music for me“

Am 19.04.12 ist einer der talentiertesten amerikanischen Musiker des 20sten Jahrhunderts von uns gegangen. Schlagzeuger und Sänger Levon Helm erlag im Alter von 71 Jahren einer lange bekämpften Krebserkrankung. In deren Verlauf verlor er Ende der 90er seine Stimme und erarbeitete sie sich mühsam wieder. Unermüdlichkeit prägte sein Schaffen.

Nach einer Karriere zunächst als Begleitmusiker, dann in Bob Dylans „The Band“ schrieb er in gerade dieser Band nach deren Trennung von Dylan Musikgeschichte. Insgesamt veröffentlichte er gut zehn Solo-Alben. Nach der Jahrtausendwende veranstaltete er in der Scheune seines Anwesens in Woodstock regelmäßige quasi-Privatkonzerte mit einem line up von wechselnden Musiker-Freunden unter dem Namen „The Midnight Ramble“. Als ich mir vor Jahren aus Neugier den Ticketvorverkauf ansah, habe ich mich bei den Eintrittspreisen fast verschluckt. Doch immerhin versprach es ja Tuchfühlung mit Legenden.

hier fanden die "Midnight Ramble" Konzerte statt

Levon Helms Leben würdigend zu biographieren fällt nicht leicht. Versuch einer Kurzversion:

Levon Helm wuchs auf der Farm seiner Eltern in der Nähe von Helena, Arkansas auf (- er war pikanterweise der einzige US-Amerikaner der ansonsten nur aus Kanadiern bestehenden The Band). Früh wurde er von seinen musikbegeisterten Eltern ermutigt, Musik zu lernen. Unzählige Stunden verbrachte er damit, die frühen Legenden des Blues, Country, Bluegrass und Rock’n’Roll, die er aus dem Radio kannte, zu imitieren oder sogar live zu sehen.

Bald nachdem er sich von seinen Eltern losgesprochen hatte um Musiker zu werden warb 1958 der ebenso junge Rhythm&Blues-Sänger Ronnie Hawkins den just volljährigen Helm für seine Begleitband „The Hawks„. Eine Umbesetzung zwei Jahre später, bei der Hawkins die aus Kanada stammenden, ebenfalls blutjungen Musiker Garth Hudson, Rick Danko, Richard Manuel und Robbie Robbertson rekrutierte, war die Geburtsstunde einer der wichtigsten Ensembles der Musik-Geschichte.

Im Tour-Circuit  holten sich die neuen The Hawks erste Meriten, blutige Nasen und 1963 nach der Trennung von Hawkins dann als „(Levon and) the Hawks“ die  Aufmerksamkeit von Bob Dylan. Dieser suchte Mitte der 6oer ja bekanntlich seinen Sound und Stil zu erneuern und elektrifizieren. Mit fliegenden Fahnen wechselten die Fünf also zum damals schon legendären Dylan und wiederum ging es ausgiebig auf  Tour.

Angeblich weil es Helm persönlich traf, dass Dylans neuer Stil bei Konzerten auf wenig Gegenliebe stieß, verließ er die Band – um nicht mehr jeden Abend gegen Buhrufe und Tiraden anspielen zu müssen. Es ging soweit, dass Helm die Musik für Arbeit auf Ölbohr-Plattformen komplett an den Nagel hing. Nach zwei Jahren zog sich Bob Dylan vom Tour- und öffentlichen Leben fast komplett zurück um nur noch zu schreiben, musizieren und aufzunehmen. Bassist Rick Danko fand ein entlegenes Haus zur Miete und The Band (wie sie kurzerhand nur noch genannt wurden) folgten Dylan.

Bald darauf fand die Bitte der alten Kollegen, Levon Helm möge sich ihnen wieder anschließen, Gehör. Nicht zuletzt, da was stilistisch folgen sollte -dokumentiert in unzähligen Bootlegs und dem Album „The Basement  Tapes“-  wieder eher dem Geschmack Levon Helms entsprach. Danko, Manuel, Robbertson und Hudson fanden sich ermutigt, selbst Songs zu schreiben, Themen zu finden:

Ihr Interesse galt immer mehr der ursprünglichen und tradierten Musik, die seit der Besiedelung Nordamerikas durch das Zusammentreffen verschiedenster Kulturen entstanden war. Work songs, Old-Time, Spiritual, Cajun, Ragtime, Minstrel, Vaudeville… Volksmusik, bevor man sie Folk nannte.

The Band, durch Jahre auf  Tour von einer Begleitcombo zu einem lebendigen musikalischen Organismus geworden, schufen in diesen Monaten und Jahren die Blaupause dessen, was später einmal „Americana“ genannt werden sollte.

Teil 2 folgt…

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