Bevor es losgeht… vergangene Höhepunkte und Tiefpunkte

Am 4. Februar beginnt der Vorverkauf für die 63. Berlinale. Wenn man seine Filmwünsche erfüllen will, lernt man jedes Jahr dazu. Tips zum Ergattern weiter unten. Zunächst ein paar Erinnerungen an vergangene Filmhighlights …und solche die ich mir hätte sparen können:

300 – Beim Schlangestehen nach Karten hörte man 2007 schon wundersames über diese angeblich technisch neuartige Comic Verfilmung. Hab das Ticket relativ spontan erstanden und mich kaum weiter informiert. Glücksgriff. Bilderrausch am letzten Berlinale-Tag spätabends. Vollbesetzter Berlinale Palast. Dessen höchst leistungsfähige Sound Anlage war allerdings (sollte wohl dem Schlachtengetöse gemäß sein) dermaßen aufgerissen, dass uns ein ums andere Mal die Ohren klingelten und der sprichwörtliche Kitt aus der Brille fiel. Egal, es wurde besser und besser und …war’s wert. Start-Ziel-Sieg.

White lightnin‘ : Frisch verliebt verpasste ich die Berlinale 2009 fast komplett. Als ich mit der Liebsten und einem lieben Freund auf Durchreise am 2. Sonntag noch wenigstens einen Film gemeinsam sehen wollte, war dies unser Konsensfilm. Jedenfalls in den ersten 10Minuten. Frappierendes Sittenbild über einen falsch sozialisierten Tunichtgut. Einblicke in die obskure Welt des Appalachian Mountain Dancing und des amerikanischen Hinterlandes. Ein Pandämonium aus vertanen Chancen, Gewalt-Exzessen, Drogen-Missbrauch, low life. Markus und ich waren fasziniert, Victoria schaudert’s bei der Erinnerung noch heute !

Unbekannte Dramödie über einen Kartographen auf Durchreise in der amerikanischen Provinz – Fatalste Fehlentscheidung 2011. Der Film war -glaube ich – sogar recht ansprechend. Doch ich hatte mir an jenem Tag zu viel zugemutet und war nach 2(?)..3(??) Filmen nicht mehr aufnahmefähig. Man könnte auch sagen: schlappmüde. Peinlich, wie ich immer wieder einnickte und den Film zu 80% verschlief. Zahlen für ein Nickerchen. Und dass im Colosseum, 3min von Zuhause !

Sita sings the Blues – absolut bezaubernder Animationsfilm über eine indische Mythenfigur. Lief 2008 im Jugendprogramm „Generation“, wennschon Erwachsene mindestens genauso viel Spaß dabei haben konnten. Die geniale Kombination aus indischer Folkore, 20er Jahre Lovesongs und moderner Rahmenhandlung ließ mich 2 Tage später das ganze glatt ein zweites Mal schauen.

Corroboree – ätherisch, ein Mysterium bis kurz vor Schluss. Junger Mann nimmt unklares Engagement in einem abgelegenen Landhaus an: Es stellt sich (ihm und uns) erst nach und nach heraus, dass er seine Gegenüber Schauspieler sind und er dabei ist Lebens-Stationen eines im Sterben liegenden Bühnen-Regisseurs nachzuspielen. Als ultimative Hommage sozusagen. Peter Greenaway hätte das nicht besser hinbekommen, und das will was heißen.

Verdrängtes koreanisches Tragikmelodram: Was mich da geritten hat? Besser als die Kurz-Inhaltsangabe wurde es nicht mehr. Desillusioniertes Yuppie Ehepaar, wohl kurz vor der Trennung, schleicht ein total verregnetes Wochenende in der Zweitwohnung umeinander her. Es wird kaum noch gesprochen. Eine zugelaufene Katze und die später nach ihr klingelnden Besitzer sind eine für den Zuschauer eine höchst willkommene Abwechslung in der Film-Mitte. Die einzige.

Teeth – Die angenehmste Überraschung 2007. Ein heranwachsendes Mädchen muss (für andere) schmerzhaft feststellen, dass es eine „Vagina dentata“ hat. (Jaha, dentata wie in: bezahnt. Bitte selbst nachschlagen.) Genremäßig angenehm zwischen den Stühlen (Horror?, Sozialsatire ?, Coming of Age-Drama?).   Markus und sein Freund (aus Urzeiten) Wolfgang waren während der Tage bei mir zu Gast. Da Wolfgang bei dieser amerikanischen Farce der Kameramann war, bekamen wir nicht nur noch sehr kurzfristig Karten… in seinem Dunstkreis rutschen wir auch noch rein zum Umtrunk nach der Vorstellung. Trafen Regisseur, Produzent und Hauptdarstellern im Grand Hyatt. Mister Liechtenstein frug mich, ob ich die Projektion nicht für zu dunkel gehalten hätte. Später kam er nicht auf den Titel eines deutschen Kinderbuchs, welches ihm mal empfohlen worden war. Ich konnte assistieren: Struwwelpeter.

Ein Abend wie im Traum.

Boy A – britischer Film über einen nach 14 Jahren Haft entlassenen nunmehr Erwachsenen. Die Resozialisierung startet hoffnungsvoll, ist aber zum Scheitern verurteilt, da irgendwann der Boulevard die Fährte wittert. Spät erfährt der Zuschauer, was „Boy A“ denn damals genau getan hat. Spät wohl, damit man ihm als Protagonist die gleiche Chance gibt, wie die Gesellschaft. Betroffen machendes Ende. Applaus erst nach langer Minute Stille.

Still of Julie Christie and Gordon Pinsent in An ihrer Seite

Away from her – Kanadisches Drama um ein reifes Ehepaar, dass sich noch lange nicht für alt hält – als bei Ihr sich erste Anzeichen von Demenz einstellen. Diagnose Alzheimer. Der sorgende Ehemann sieht sie langsam aber sicher entgleiten. Man einigt sich auf eine -vorübergehende?- Einweisung. Wochen später wird Er bei Besuchen kaum noch von Ihr erkannt und muss sich in dieser neuen Lebensphase zurecht finden. Jahrzehnte liebevoller Zweisamkeit sind nur noch Erinnerung. Als im Abspann K.D. Lang „Helpless“ singt kennen meine Tränen kein Halten mehr. Famose Leistung von Julie Christie, Gordon Pinsent und Regisseurin Sarah Polley.

Still of Ludivine Sagnier and Dominic Cooper in The Devil's Double

The devil’s double – Tour de force. Irakischer Soldat wird wegen seiner Ähnlichkeit zu Saddam Husseins Sohn Uday als dessen Double (= Kugelfang) zwangsverpflichtet. Unter Androhung von Repressalien gegen seine Familie verbringt er Monate, Jahre im Dunstkreis von Machtmissbrauch, Verschwendung, Exzessen, Sadismus, bis er es endlich schafft zu entkommen. So unglaublich die Details der Story auch sind: laut Produzent soll das meiste für die Altersfreigabe eher abgemildert worden sein. Jahre später entdeckte ich, dass ein Freund den Titel-„Helden“ Latif Yahia auf einer Reise kennen gelernt und zum Freund gewonnen hat.

Wie man sieht deutlich mehr Licht als Schatten. Hier nun meine Tips zum Berlinale Vorverkauf:

Priorisieren, zeitig kaufen, Online Vorverkauf nutzen, Alternative Spielzeiten vergleichen, an der Vorverkaufskasse die 6stellige Vorstellungs-Nummer bereithalten (beschleunigt die Abfrage, ob noch Restkarten vorhanden sind immens) und nicht zuletzt… die Vorverkaufs-Fristen berücksichtigen!! Denn der „Berlinale-Tag“ z.B. (2.Sonntag des Festivals) hat günstige Einheitspreise und zumeist viele Chancen, gefragte Filme doch noch zu erwischen. Wenn man weiß, dass dieser Sonntag bereits ab dem ersten Vorverkaufstag buchbar ist – und nicht erst 3 Tage im Voraus. In den letzten Jahren so einige Male in die Röhre geschaut und nur noch Brosamen gefunden.

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