Berlinale XII-XIV … Doku, 3D, Drama

Roland Klick – The heart is a hungry hunter     Dieser Mann hätte womöglich den Weg von, sagen wir mal, Wolfgang Petersen oder neuerdings Tom Tykwer machen können. Warum nicht ? Bezeichnend, sehr bezeichnend, dass selbst ich als Film-Nerd seinen Namen erst hier zum ersten Mal höre. In ihrem Dokumentarfilm montiert Sandra Prechtel geschickt Interview-Material mit Roland Klick und einigen seiner Weggefährten zu Ausschnitten seiner Filme aus den 60ern und 70ern. Filme, die seinerzeit durchaus großen (Kino-)Erfolg hatten. Hernach fragt man sich, ob dies demjenigen blüht, der sich nicht verbiegen lassen will. Die Kurzversion: als zielloser junger Mann leckt Klick im Kino quasi Blut, schreibt sich in München in den frühen 60ern für Theaterwissenschaften ein (Ein Filmstudium als solches war damals nicht zu haben). Bereits seine Kurz- und Frühwerke sorgen für Aufmerksamkeit. Zwar auch stilistisch interessiert, will er immer den Emotionen auf den Grund gehen, hört nicht auf, bis er wahrhaftige Performances aus seinen Darstellern heraus geholt hat. Für einen Genre-Reißer wie „Deadlock“ (1970) würde heutzutage ein Tarantino auch vom Feuilleton in höchsten Tönen besungen. Als wir jedoch hören, dass deutsche Regisseure in jenem Jahr intervenierten, damit „Deadlock“ Deutschland nicht in Cannes vertreten soll, möchte ich am liebsten auf die Sitze vor mir kotzen. Ein weiterer Tiefschlag muss das Wegnehmen der Regie für „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gewesen sein. Als Regisseur/Produzenten Traumpaar gestartet, ging Bernd Eichinger bald die Muffe – weil sich Roland Klick mit der Szene, die er zeigen wollte, gemein machte. Nur zwei Beispiele für Rückschläge in dem, was eine Weltkarriere hätte werden …müssen (?) Tröstlicher weise doziert Klick heute noch an der dffb …wo er immer noch sichtlich unerbittlich die Leviten liest. Verdienter Applaus, auch für den

Dial M for murder – Der letzte Hitchcock, den ich im Kino gesehen habe, war circa 1984 ‚Der Mann der zuviel wusste‘. Hitch, der alte Fuchs hatte fünf seiner 50er Jahre Filme als Altersvorsorge für seine Nachfahren 20 Jahre für die Verwertung sperren lassen, sodass die Wiederaufführung eine damals eine kleine Sensation war. ‚Fenster zum Hof‘ und ‚Vertigo‘ auf großer Leinwand…ahh. Für alle spät geborenen: Alfred Hitchcock hat in seiner Karriere von 1927-1976  quasi die Filmsprache für Spannungsaufbau definiert. Master of Suspense ist bis heute sein legitimer Titel. Ihn hat immer wieder fasziniert, auf welche Abwege Menschen kommen, die Verbrechen planen, vermeintliche Verbrechen beobachtet haben oder ohne Schuld verdächtigt werden. In ‚Dial M for murder‘ ist es Grace Kelly, die von ihrem finanziell abhängigen Gatten (Ray Milland) per gedungenem Mörder kalt gemacht werden soll. Als dies misslingt und sie den Attentäter in Notwehr ersticht, kommt durch geschickte Winkelzüge ihres Gatten die Polizei auf den Verdacht, sie hätte das alles geplant. Der Galgen wartet. Doch…

Eine wahre Freude, wie die Story wie ein stramm aufgezogenes Uhrwerk abschnurrt. Auch ein halbes Dutzend mal gesehen – die Ökonomie stimmt hier. Keine Szene zu viel, beispielhafte Einrichtung und Schnitt. Textlastig, zugegeben – halt die Verfilmung eines typischen britischen Kriminal-Bühnenstücks. Das Bonbon ist, dass in dieser Retrospektive eine digital restaurierte Fassung gezeigt wurde, die den ursprünglich in 3D gedrehten Film (das war in den 50ern schon mal in Mode) in neuem Glanz erstrahlen lies. Hitchcock durch die 3D Brille, dass ich das noch erleben durfte.

The weight of elephants – Schwere Kindheit, Folge 3. Adrian, hat es mit seinen gerade mal 10 Jahren nicht leicht. Von seiner Mutter dereinst verlassen ist er auch in der Schule ein Außenseiter. Der sensible Träumer wächst bei seiner leicht überforderten Großmutter auf. Denn die darf sich auch noch um seinen psychisch angeknacksten Onkel Rory sorgen. Der ist allerdings Adrians einzige positive Bezugsperson. Als auch Rory durch psychiatrische Einweisung aus Adrians Leben verschwindet scheint seine Welt ganz einzubrechen. Wenn da nicht die neu zugegezogenen Nachbarstöchter wären. Die kommen zwar zunächst als Zicken rüber, haben jedoch ihre ganz eigenen Probleme. (jaa doch..) Dem wunderbar fotografierten und einfülsam geschriebenen und inszenierten Film vergibt man tatsächlich seine innenwohnende Schwere (daher der Filmtitel, wie wir im Anschluss vom Regisseur erfahren). Grandios wiederum: die Leistungen der Jungschauspieler Demos Murphy und Angelina Cottrell, die vom Regisseur in intensiven Castings wegen ihrer emotionalen Intelligenz ausgewählt worden sind. Fast schon besorgnis erregend, wie sie in ihren Rollen aufgehen.

und sonst ?

…die wahrscheinlich schlechteste Moderation der Berlinale. Hier stimmte wirklich nichts, Ansagen der Namen von Regisseur und Darstellern noch während des Applauses genuschelt und dann eine mäandernde, sinnlose Schachtelsatz-Frage an den Regisseur gesäuselt – das Publikum stöhnte hörbar. Besser wurde es kaum. Bei welchem Film ? Vergessen wir’s. Das Anforderungsprofil für Moderatoren kann jedenfalls nicht sehr hoch sein.

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