Kasbah und Plattenbau : Berlinale XXVI-XXVII

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Yariv Horowitz im Gespräch mit einer Israelin und ihrer palästinensischen Freundin, die gleichermaßen angetan waren

Rock the Casbah – Gazastreifen 1989. Eine Truppe junger Soldaten trifft in einem Lager ein, um in der angrenzenden Stadt zu patroullieren. Keiner von ihnen ist wirklich von der Mission und der Sachlage überzeugt, doch eine -zum Teil dumpfe- Abneigung gegen die Palästinenser ist ihnen quasi imprägniert. Keiner erlaubt sich hier relativierende oder ambivalente Aussagen. Gleich bei einer ihrer ersten Streifen kommt es zur Eskalation. Tief sitzender Hass, unüberlegte Gewalt auf beiden Seiten führen dazu dass Kamerad und Hitzkopf Ilyas irgendwann -von einer vom Dach geworfenen Waschmaschine! – erschlagen auf der Straße liegt. Hilflose Entscheidung des Offiziers: Die 4 Kameraden seiner Gruppe werden nun täglich auf diesem Dach Stellung und Wache halten. Der Film beobachtet, wie nicht nur zwischen den Einwohnern und den Soldtaten, sondern auch innerhalb der Truppe es immer mehr zu gären beginnt. Ungehorsam, Zweifel an Sinn des Einsatzes… vor allem aber auch unverarbeitete Trauer.

Dem Regisseur Yariv Horowitz ist ein intensives Gruppenporträt gelungen, das es schafft keiner Stellung außer der des Zweifels zu beziehen. Wie er im Q&A später erzählte war er selbst seinerzeit Armee-Fotograf und -Filmer und wurde früh mit -in seinem Land nicht gern gehörten- kontroversen Aussagen bei Soldaten Interviews konfrontiert. Als junger Wehrpflichtiger sei man noch überzeugt gewesen, etwas wichtiges zu tun – und war nur zu bald mit dem Hass der palästinensischen Bevölkerung konfrontiert. Ich fragte ihn, ob es denn nicht schwierig gewesen sei, die Unterstützung des israelischen Militärs zu erhalten und was dies über den fertigen Film denke. Er antwortete, er hätte quasi offene Türen eingerannt und dass das israelische Militär genau genommen mittlerweile nicht mehr an eine gewaltsame Lösung glaube, sondern froh wäre, wenn die Politik endlich umdenken und  einlenken würde. Viele Anwesende -vor allem solche, die es vermutlich wissen müssen- dankten Horowitz für seinen Film. Glücklicherweise konnte er es gerade noch zum Abspann des Films ins Kino schaffen, denn kurz zuvor war ihm nebenan im Berlinale Palast der CICAE Award der Filmkunst-Kinobetreiber verliehen worden. Eine regulärer Verleih in Europa scheint in greifbarer Nähe.

Obrana i zastita (A Stranger) – Wat war datt denn ? Womöglich meine einzige Niete dieses Jahr. Womöglich aber auch nicht, denn als ich den Film später meiner Frau erzählte, musste sie wiederholt laut Lachen. Im Kino allerdings war dies nur selten der Fall :
Der Rentner Slavko ist ein Gefangener von Sachzwängen. Ein alter Bekannter und Verwandter seiner Frau ist verstorben, die Beerdigung findet jedoch im moslemischen Teil von Mostar statt. Der Konvention folgend würden sie an sich nicht teilnehmen. Endlose Debatten mit seiner Frau, Bekannten, Freunden über das Für und Wider. Ob man nun zu Fuß hingeht, mit dem Auto etc. pp. eingebettet im ebenso polemisches Alltagspalaver. Irgendwie ahnt Slavko, dass er hier nicht gewinnen kann – zweimal sieht man ihn plötzlich und lapidar in Selbstmord-Situationen aussteigen. Doch in der nächsten Szene ist er immer noch da, um abermals Fragen, Entscheidungen und Diskussionen über sich ergehen zu lassen. Ich wage es kaum zu sagen, doch bei dieser Alltags-Absurdität musste ich mehr als einmal an Loriot denken. Allerdings langatmig und im bosnischen Plattenbau mit dem lakonischten Ende der bis jetzt gesehenen Filme.
Wenn ich so zurück denke – vielleicht doch „nur“ Übersättigung meinerseits ? Die Genervtheit und Resignation in Bogdan Diklić‘ Gesicht hatte schon etwas unnachahmliches…

und sonst?

es ist dann auch bald gut gewesen… auf der Fahrt zur Vorstellung von ‚Obrana i zastita‘ fast an Streik gedacht. Wie auch Sonntag mittag auf dem Weg zum Wettbewerbs-Beitrag ‚Uroki Garmonii‘. Zum Glück doch hingefahren…davon in Kürze.

Veröffentlicht unter Berlinale

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