irgendwann

Was hier noch gar nicht anklang: In den letzten 18 Monaten habe ich ein Home Studio aufgebaut, mich zusätzlich zum Gitarre spielen und -Soundtüfteln verstärkt mit Recording und Mixing beschäftigt.

Irgendwann hat ein Jeff Lynne nach endlosen Wochen Abmischens jedes der Electri Light Orchestra Alben dann doch mal gesagt… „so… das ist jetzt gut so“ (natürlich im übertragenen Sinne, nicht in Deutsch).

Irgendwann haben The Police oder ihr Produzent entschieden, dass bei „Roxanne“ der aus-Versehen-Piano-Akkord nach 5sec Intro drin gelassen wird.

Irgendwann hat der mittlerweile legendäre Produzent Quincy Jones die endlose Mix-Session Michael Jacksons und Bruce Swediens beendet, indem er die beiden aufgefordert hat, das Band mal quasi ganz zurück zu spulen. Als alle Mix 2 (!) von „Billie Jean“ anhörten, klappte allen die Kinnlade herunter – und die folgenden 89 Abmischungen waren schlichtweg überflüssig.

Irgendwann hat sich Producer Phil Ramone durchgesetz, als Billy Joel im Aufnahmestudio seinen Song „Just the way you are“ schon abhaken wollte: die Nummer hatte Joel mit seiner Band 1976/77 bis dahin als Rumba gespielt – was allen viel zu schmalzig vorkam (wohl zu recht). Phil Ramone, mit musikalischem Wissen, Geschmack und Entschlusskraft ausgestattet, brachte die entscheidenden Änderungen ein. Der Rhythmustrack wurde ganz stark versimpelt und zurück genommen und auf einem sehr speziellen, sachten südamerikanischen Beat aufgebaut. Ein Song, der fast aussortiert worden war, wurde zum Welthit.

Worauf ich hinaus will: Die technischen Entwicklungen allein in der Musik-Produktion haben in den letzten 40 Jahren die Möglichkeiten nicht verfielfältigt – sondern eher potenziert ! Kaum eine Software, kaum ein Tool das nicht mit derart vielen Einstell-Möglichkeiten daher kommt, dass man sich allein damit tage- oder wochenlang beschäftigen könnte. Buchstäblich Hunderte von Einstellungen, Presets, Sounds, Parametern. (Die „One-Knob“ Plug-In Reihe der Software Firma Waves ist eine der bemerkenswerten Ausnahmen)

Doch mir wird -wenn auch langsam- klarer, dass es nicht so sehr um das Erlernen von Technik geht …sondern um Gehör- und vor allem Geschmacksbildung. Um die (durchaus erlernbare) Fertigkeit, gezielte und kurzfristige Entscheidungen zu treffen. Um die Fähigkeit in vertretbarer Zeit zu einem Ergebnis zu kommen, zu dem man sagen kann: Besser wird’s nicht. (Höchstens anders)

In einem Podcast von Graham Cochrane und Joe Gilder hörte ich neulich ein sehr schönes Zitat, zu deutsch „Es ist erst Kunst, wenn es abgeschlossen ist.“

Veröffentlicht unter Allgemein
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