Berlinale 2014, die 7te …oder: Professionelle Intimität

nach dem enttäuschenden argentinischen „Problemfilm“ gab es Boden gut zu machen

She’s lost control

Neben der Vorbereitung ihrer Master-Arbeit betätigt sich die ansonst zurück gezogene Ronah als Surrogat-Partnerin. Sie stellt sich, therapeutisch angeordnet, Patienten mit Verhaltens-Störungen für sexuelle Handlungen zur Verfügung. Dies ist eine (leider umstrittene) Methode um Entwicklungen im Ausleben von Intimität Sexualität aufzuholen. In ihrem Metier einigermaßen erfolgreich, ist ihr Privatleben karg und beginnt ihr mehr und mehr zu entgleiten. So professionell und differenziert sie sich auch in den Sessions mit ihren Klienten einbringt: Dass sie sich erlaubt, für den enigmatischen Johnny, ihren neuesten „Fall“, mehr zu empfinden wirft ihr Leben dann doch aus der Bahn.

Naaatürlich birgt die Thematik Zungeschnalzen-Potential. Nach der Vorstellung merkte ein Fragesteller ohne Wertung an, dass die Grenzen zur Prostitution als fließend bezeichnet werden könn(t)en. Umso befriedigender (sorry), dass der Stoff -im besten Sinne- unspektakulär, dafür sensibel und ambivalent umgesetzt wurde.

Intimät ist immer auch Wagnis

Regisseurin Anja Marquardt (übrigens gebürtige Berlinerin) hat den Film auch geschrieben. Ein Crewmitglied lobte beim Q&A im Anschluss, dass Anja Marquardt ein „PowerHouse“ sei und den Film nach lediglich 18 (!) Tagen Dreh im letzten Juli in kürzester Zeit durch die Postproduktion gebracht habe….was man dem Film im positiven Sinn nicht anmerkt. Für ein Erstlingswerk ist hier alles passend und lässt auf weiter Werke hoffen. Ein Schlüssel, wie im Interview zugegeben, mag die Besetzung der Hauptrollen gewesen sein. Hinzu kam, dass man eine Darstellerin brauchte, die bereit war sich komplett nackt zu zeigen. So groß der Konkurrenz-Druck bei Jungschauspielern auch ist: in den USA kein leichtes unterfangen. Man brauchte jemanden, der noch nicht „gesigned“ ist. Brooke Bloom (Ronah) war dazu bereit und hatte außerdem eine großartige Chemie mit Mark Menchaca (Johnny) – einemnfrühen Besetzungs-Glücksgriff. Da man von dem Gespann derart überzeugt war, wurde die Drehzeit in der Tat um ein halbes Jahr verschoben, damit Bloom ihre vorherigen Engagements beenden konnte.

Randbemerkung: Die 50/60-somethings, die neben mir saßen beteiligten sich demonstrativ an keinem der beiden Schluss-Applause. Wobei ich anfügen möchte, dass die Dame neben mir dem Herrn neben ihr beim Plaudern unbedingt stecken musste, dass ihr (Berlinerin!) die  Stadt während der Berlinale immer viel zu voll ist….

Letzte Randbemerkung: wenn auch die Regisseurin sehr gut englisch spricht… ziert sie sich doch ein wenig deutsch zu sprechen (kleinlaut: „aber das ist doch ein internationales Festival“). Will ihr zugute halten, dass sie Berlin wie auch New York als Film-Städte lobte.

demnächst hier: Eine Reihe unerfreulicher Ereignisse

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