Berlinale 2014, die 10te …oder: Wir machen den Weg frei …oder: schwarzer Humor im Schnee

Unmutiges Platzanweiser Personal, Klappsitze mit Platzangebot wie in den 70ern, rund ein drittel der Sitzplätze im Blickwinkel eingeschränkt… In den Friedrichstadt-Palast gehe ich nur, wenn ich muss. Diesmal musste ich.

Manchmal ist es schön überrascht zu werden. Manchmal einfach ok, genau das -genau genommen noch viel mehr- zu bekommen, was man erwartet hat.

Kraftidioten | In Order of Disappearance

Nils Dickman (Stellan Skarsgård) ist soeben zum Bürger seiner kleinen Gemeinde im verschneiten Outback Norwegens gewählt worden. Er betreibt eine kleine Firma, die die Pass-Straßen seiner Heimat mit allerlei Schnee-Fräsen und -Pflügen passierbar hält. Jäh bricht für ihn und seine Frau die Welt zusammen, als ihr Sohn -angeblich an einer Überdosis- stirbt. Die Polizei hält den Fall für klar, seine Frau verschließt sich. Nils will sich -er sieht sich als Vater und Mensch gescheitert- gerade eine Knarre in den Mund stecken… da steckt ihm ein Freund seines Sohnes, dass dieser, fälschlich verdächtigt, von einem Drogen-Boss, dem „Grafen“ erledigt wurde. Eine beispiellose Rache-Kampagne beginnt.

Nils arbeitet sich langsam aber sicher durch alle verantwortlichen Low-Lifes. Zunächst linkisch, später immer trocken-routinierter. Ob nun mit der Faust, abgesägter Schrotflinte oder mit dem Schneepflug. Im Drogen-Syndikat ist man mehr und mehr beunruhigt ob des Verschwindens der „Kollegen“ und ob dieses namen- und gesichtslosen Täters. Man vermutet Revierkämpfe mit den konkurrierenden Ost-Europäern. Ein Vergeltungsschlag in die falsche Richtung kompliziert die Lage vollends: Die Serben kommen !

Je näher Nils an den „Grafen“ kommt, desto riskanter wird es für ihn. Doch seine Frau ist längst weg. Wer braucht da noch Bodenhaftung ?

Ein Mann gibt Gas

Ein sich vegan gebender Drogenboss, der sich beständig mit seiner Trophy-Wife um die Erziehung und das Sorgerecht des Sohnes zofft. Serbische Gangster, die über die skandinavischen Wohlfahrt-Staaten schwadronieren. Und immer wieder Leute, die sich verrechnen: in der Entschlossenheit Nils‘. Hier kommt Freude auf. Auch wenn diese Art von Schuld und Sühne natürlich zweifelhaft ist.

Klar, hier Anleihen bei Guy Ritchie und anderen gemacht. Klar, einiges ist überzeichnet. Wirklich ? Bitte mal innehalten, wieviel wir heute noch als unglaublich, morgen für „tja“ halten.

Aber wer stellt solche Fragen, wenn die Handlung spannend voran geht, die Charaktere plastisch gezeichnet und dargestellt sind.

Das einzige, wirklich einzige was ich dem Film aber auch vorwerfen könnte: dass er sich nicht festlegen kann (oder will): Satire ? Drogen-Thriller ? Gangster-Komödie ? Tragikomödie…? Ja.

Am Ende brauste im Friedrichstadt-Palast ein nicht enden wollender Schlussapplaus auf. Chapeau !

 

In Kürze hier: der ausgefallene Klassiker

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