Berlinale 2014, die 12te …oder: ein nicht un-interessanter Fall

Über-Ich und Du

Nick ist ein Tagedieb. Ein Schlemihl. Ein Filou. Seine „Geschäfte“ kann man bestenfalls mit …An- und Verkauf umschreiben. Da Käufer und Lieferanten (..es geht vornehmlich um antiquarische Bücher) nicht immer zufrieden sind, ist er quasi ständig unter getaucht. Ein heißer Tipp ist ein angeblich leerer Bungalow im Münchener Vorort. Zu dumm, dass er beim Einbruch am hellichten Tage den noch anwesenden Bewohnern in die Arme läuft. Gar nicht dumm, dass er für den angeheuerten Aufpasser gehalten wird, der dem berühmten Psycho-Analytiker Curt Ledig beistehen soll, solange der Rest der Familie verreist ist.

Ebenfalls nicht dumm, wenn auch etwas senil, ist dieser Curt Ledig: er kommt Nick schnell auf die Schliche. Was ihn nicht davon abhält, das Spiel mit zu spielen und Nick en passent zu therapieren. Zu tun gibt’s genug: ständig in Schulden, keine Bindungen, etc. pp. Es gibt Begegnungen mit, äh, extravaganten Gläubigern, dem überraschend eingeflogenen US-Teil von Ledigs Familie. Curts altersbedingter no-nonsense-Starrsinn und das tumultartige Umfeld Nicks prallen ein ums andere Mal aufeinander. Als Nick dann auch noch Ticks und Phobien Curts annimmt, ist er zu ungewöhnlichen Schritten bereit:

Therapie zwecklos ?

Zu Anfang werden wir im Unklaren gelassen, ob er auch sympathisch ist. So shifty er auch ist- man kann ihm irgendwie nicht böse sein. Dramaturgisch eine Leistung, wie auch sämtliche Dialog- bzw. Ausspionier-Szenen zwischen Curt und Nick.

Überhaupt, so merkt Regisseur Benjamin Heisenberg im Anschluss des Filmes an, sei man mit dem Drehbuch (das bereits seit 2008 entstanden sei) recht zufrieden gewesen, die Dreharbeiten ebenfalls sehr positiv. Allein: im Schnitt schien dann vieles nicht mehr ganz so stimmig und amüsant wie einst geplant. Somit verbrachte der Film ein rundes Jahr im Schneideraum. Was ganz offensichtlich die richtige Entscheidung war. „Über-Ich und Du“ läuft wie ein Uhrwerk mit unzähligen kleinen und größeren Pointen, glücklicherweise auf Klamauk ganz verzichtend.

Es zeigt sich wieder einmal: Komödie, mehr als alle anderen Formen, lebt von Timing. Und von einem außergewöhnlichen Drehbuch.

Randbemerkung: Regisseur Heisenberg wollte die Antworten auf deutsch abgeben, wurde vom Moderator aber umgehend davon abgehalten. Handzeichen ergaben, dass ganze zwei nicht-Muttersprachler anwesend waren. Für die hätte der Moderator auch noch übersezten können. Aber wir sind ja ein Internationales Filmfestspiel. Davon in nächsten Post mehr.

In Kürze hier: It’s a family affair !

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