Berlinale 2014 Film #9 …oder: Szenen einer Ehe

Wenn man sich am Ende eines Tages mit vier Spielfilmen nicht mehr ganz klar ist, was man heute eigentlich schon alles gesehen hat ist das… grenzwertig. Doch dieser Tag war ja besser und besser geworden und auch das letzte Ticket des Tages hatte ich sorgfältig ausgesucht und mit Einsatz ergattert. Seltsamerweise war diese (spät)Vorstellung nicht ausverkauft, der norwegische Regisseur leider heiser bis kränklich, so dass er bloß kurz vor dem Film einige Worte sprach – dabei hätte ich mir hier  eine Fragestunde, auch mit den famosen Hauptdarstellern sehr gewünscht.

Blind – seitdem sie vor kurzem erblindet ist verbringt Ingrid ihre Tage meistens in der Wohnung, in ihrem Lieblings-Sessel am Fenster. Ich bedächtiger Ehemann, Architekt Morten möchte, dass sie wieder am Leben teil nimmt. Doch das macht Ingrid nur, indem sie fantasiert, sich vorstellt ihr Mann beobachte sie still tagsüber. Sich einbildet, er hätte eine Online Affäre, zu der sie auch noch weitere Nebenfiguren erfindet. Ihre Unsicherheit erschafft mit der Zeit quasi ein kleines, fiktives Universum, dass für den Zuschauer immer wieder verwirrend (was ist echt, was ist Fiktion) jedoch sehr unterhaltsam ist. Doch bald wird sie sich entscheiden müssen, denn Morten will nicht, dass es so weiter geht. Beide haben noch nicht gelernt, ihre Beziehung  von Grund auf neu zu betrachten.

…ist da wer ?

Ich kann nicht genug von Ellen Dorrit Petersen in der Rolle der Ingrid schwärmen. Sie hält bei der Darstellung dieser Frau eine unglaubliche Balance zwischen anmutiger Würde und resignierter Unsicherheit hält. Wenn man nach mehreren hundert Minuten Film am Tag noch so mitgeht, dann stimmt fast alles. Wer noch die Chance hat: Anschauen. Das Thema assoziert: Problemfilm, doch „Blind“ ist ein gänzlich erhebendes Erlebnis ! Mehr als angemessen, dass sich ein Medium und ein Festival, das dem Visuellem huldigt, auch diesen Blick wagt.  Chapeau für Regisseur und Team – Bestnote von mir für den Panorama Publikums-Preis.

in Kürze hier: Wir machen den Weg frei

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