Berlinale ’14, die 13te …oder: It’s a family affair

Viele Filme aus bella Italia hat dieser Jahrgang leider nicht zu bieten. Hoffen ließ jedoch

In Grazia di Dio

Die toughe Adele hat jahrelang mit ihrem Bruder eine kleine Textilfabrik in der apulischen Provinz jahrelang mehr schlecht als Recht durch die Wirtschaftskrise(n) gebracht. Als der Druck ihrer Gläubiger-Banken zu groß wird schmeißen sie das Handtuch, verkaufen Fabrik und Heim weit unter Wert. (Der Makler, vorgeblich ein Freund der Familie, bedauert ja sooo, keinen besseren Preis heraus holen zu können.) Adeles Bruder muss nach einer krummen Nummer, die schnell Geld bringen sollte zu seinen Schwiegereltern in die Schweiz fliehen.

Übrig bleiben die 4 Frauen der Familie: Großmutter Salvatrice, Adele nebst der von ihr ohne Vater aufgezogenen fast erwachsenen Tochter Ina und Adeles Schwester Maria. Die Nerven liegen blank. Maria macht sich etwas mit einer Schauspiel-Karriere vor, Ina steht kurz davor die Schule zu schmeißen.

drei der vier Frauen des Clans

Als sich die Gelegenheit ergibt, erwerben sie einen kleinen Hof auf dem fortan für sich selbst geackert wird. Was von Feld und Vieh über bleibt findet zahlungswillige Abnehmer. Selbst die Liebe bahnt sich noch einmal an: sowohl Großmutter als auch Adele, beides halt gestandene, in Saft und Kraft stehende  Frauen, haben alsbald einen Verehrer.

Naaatürlich wird hier gestritten wie die Kesselflicker, natürlich geht es auch um Amore und um Essen – und natürlich wohnen hier 4 Generationen zusammen. Der Regisseur Eduardo Winspeare bestätigte uns allerdings noch einmal, was auch kürzlich in der taz wieder zu lesen war: man zieht in Italien einfach nicht von zuhause aus! Früher aus Tradition heute aus wirtschaftlicher Lage.

Das Ganze hätte leicht zu einem Öko-Ken-Loach-Verschnitt werden können. Doch bis auf einige dezente Seitenhiebe auf wirtschaftliche Entwicklungen und den Finanzsektor als immerdar florierenden Sektor ist „In Grazio di Dio“ ideologiefrei. Wenn es hier ein Ideal gibt: bei aller Streiterei, bei aller Unterschiedlichkeit… die Solidarität der Familie gibt Rückhalt und Gleichmut (und bei Oma halt Gottvertrauen) bringt weiter als Rage.

Schön wie Celeste Casciario (Adele) Sorgen-und Zornesfalten im Verlauf des Filmes sich immer mehr auflösen lösen und Adele ganz allmählich wieder das Lachen lernen lässt. Ihr Verehrer, der seit gemeinsamen Schulzeiten schüchterne Stefano wird von Gustavo Caputo ebenso authentisch dargestellt. Eine ebenso geschmack- wie gefühlvolle Filmmusik rundete das ganze ab.

Warum nun Family Affair ? Eduardo Winspeare ist in der Tat mit Hauptdarstellerin Celeste Casciaro verheiratet und Filmtochter Ina wird von ihrer tatsächlichen Tochter aus erster Ehe, Laura Licchetta gespielt. Quod erat demonstrandum.

Randbemerkung: der Regisseur wollte sogar auf deutsch antworten, wurde aber flugs genötigt: bitte auf englisch! Das wurde dann zur Radebrecherei. Die italienischen Antworten seiner Frau fanden einen ebenso holprigen Weg ins Englische durch die bereit gestellte Dolmetscherin. Wir sind ja so international.

In Kürze hier: die Kurzen kommen

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