Berlinale 2014, Film #22 …oder: Marathon wird zum Tryptichon

Ein Ticket, dass ich unbedingt wollte. Je näher der Film kam, desto unsicherer wurde ich mir, warum? Immerhin lernte ich noch kurz vor der Vorstellung, dass des Regisseurs letzter Film zehn Jahre her ist -und auf der Berlinale 2004 ein großer (künstlerischer) Erfolg.

Triptyque

ist eine Anordnung von drei Lebenskrisen. Wir sehen (diesmal nicht quasi-kunstvoll verschachtelt montiert, sondern) mit Titelkarten getrennt :

Die alternde Michelle (ok, wir alle altern) wird aus der Psychiatrie entlassen. Vorsichtig versucht sie sich wieder im Leben zurecht zu finden und eine Balance zwischen ihrer Buchhandlung und ein Leben mit Medikation zu finden.

Neurochirurg Thomas durchlebt einen Burn-Out. Nur noch Alkohol (so redet er sich ein) verschafft ihm und seinen Händen die notwendige Ruhe. Er ist es „satt in anderer Leute Gehirne zu schauen“. Einem Impuls folgend bandelt er mit Patientin Marie (siehe unten) an. Was da wohl die Ethik-Kommsion zu sagt ?

Die Sängerin Marie sieht sich mit der Diagnose (operabler) Gehirntumor konfrontiert. Für sie fast schockierender: sie wird das Sprechen wieder erlernen müssen. Außerdem sieht sie nach dem Rechten bei ihrer Schwester Michelle (jaa, siehe oben) und versucht sich fast manisch mit Hilfe von Synchronsprechern und Familien Super8 Filmen an die Stimme ihres Vaters zu erinnern.

was wird aus ihrer Stimme

Der Film ist storymäßig nicht ohne und enthält eine Reihe formidabler Einstellungen und Sequenzen. Dennoch wirkt das ganze etwas spröde. Es will sich einem nicht auftun und man kann sich nicht entscheiden, ob man das unbefriedigend finden soll. Dass wir am Ende alle Charaktere nicht gewandelt sehen, sondern bestenfalls Ansätze für ihr zukünftiges Wohlbefinden ist mehr als passend. (Wie ein großer Regisseur einst Raymond Carver zitierte: In life there are no short cuts). Robert Lepage ist seit seinem letzten Film eher als Theater-Regisseur tätig, „Triptyque“ ist die Verdichtung einer Mammut-Inszenierung. Er gab im Kurzinterview vor der Vorstellung zu, dass es auch nachdem ihm seine Tochter und (Produzentin des Films) alle Ausreden genommen hatte Co-Regisseur Pedro Pires brauchte, sich an dieses Projekt zu wagen.

Ich bin mir (fast) sicher, dass Triptyque ein mehr als guter Film ist. Ich werde bloß noch mindestens ein weiteres Anschauen brauchen, um das voll zu realisieren. Was für heutige Verhältnisse fast fatal ist.

Randbemerkung: Digitale Projektion hin oder her: dies war die Vorführung mit der übelsten Bildqualität. Farbtemperatur, Kontrast-Raum, Farbrauschen…oh oh oh. Entweder ganz dürftig für das Festival transferiert oder geplant mit nicht optimalen Videokameras gedreht. Da es hier reihenweise auf digitalen Kameras produzierte Filme mit weitaus besserem Bild zu sehen gab, kann ich nur vermuten, dass die Produktion und das Budget nicht so „groß“ waren wie angenommen.

In Kürze hier: „und wer von Euch ohne Sünde ist…“

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