Berlinale 2014, die 24te …oder: aus dem Reich der Toten

Gestorben wird im Kino ja durchaus. In Dramen gerne als Auslöser oder Wendepunkt des Plots, im action-getriebenen Kino fast schon als Selbstzweck. Mit The Midnight After, Kraftidioten und Wu Ren Qu finden sich allein drei Filme in meiner eigenen Selektion die es vom Body-Count in sich haben. Ein Film, der das Thema ganz anders angeht sollte zu einem persönlichen Überraschungs-Hit werden.

The Darkside

Regisseur Warwick Thornton hat in einem Online Projekt rund 180 Interviews gesammelt. Themenstellung war: Übernatürliche Erfahrungen mit oder um Verstorbene. Gerade in einem Land wie Australien, dessen Ureinwohner eine  spirituelle Verbindung mit den Vorfahren und Verstorbenen pflegen.

Die interessantesten hat er verdichtet und – für einen Dokumentarfilm nicht unproblematisch- von Schauspielern an verschiedenen Schauplätzen nachagieren lassen. Mal am Strand, mal an der Theke, mal am Lagerfeuer wird dem Interviewer hinter der Kamera berichtet. Geschichten, die an urbane Mythen grenzen. Stories von Erscheinungen, unerklärlichen Wahrnehmungen.

Um den Gänsehaut-Faktor geht es hier nicht. Manch einem mag das Erzählte unglaubwürdig oder irgendwie rational erklärbar erscheinen. Wenn man die Geschichten, dass subjektive Erlebte ernst nehmen möchte -und ich bin geneigt das zu tun- …dann ergibt sich ein kleiner Spalt in eine andere Welt. Zumindest die notwendige Erinnerung an unser aller Vergänglichkeit.

Paradoxerweise haben wir es -außer im Kino-  ansonsten mit dem Tod nicht so sehr. Man könnte sogar sagen, unsere Gesellschaft ist dabei ihn abzuschaffen. Jugendwahn, Selbstbetrug, Konsumerismus…

Filme wie The Darkside können uns nicht nur unterhalten – sie können uns erden.

Randbemerkung: Warum als Doku-Filmer Schauspieler und nicht die eigentlichen Augenzeugen benutzen ? Im Guten, muss ich anfügen, merkt man es zu keiner Zeit und wird erst durch den Abspann quasi darauf gestoßen. Die Szenen ‚wirken‘ authentisch. Im Negativen: ist das noch Dokumentation ?

Regisseur Warwick Thornton hatte im Q&A folgende Erklärung: die tatsächlichen Personen an ein Kamera-Setting heran zu führen, wäre zu aufwändig oder auch verfälschend gewesen. Es wurde sich penibel an die protokollierten Interviews gehalten, Schauspieler und Drehorte sorgsam ausgesucht. Und überhaupt: bei einer Thematik, die viele nicht glauben werden/würden …kommt es da auf 100%ige Authenzität an ?

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In Kürze hier: Entführung auf indisch

 

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