Berlinale 2014, Film #25 …oder: die Braut, die sich traut

Dieses Jahr nicht gerade über-repräsentiert, war Indien dennoch ein paar Mal auf meiner Film-Wunschliste. Leider konnte lediglich dieser geschaut werden. Wenigstens…und wenigstens eine der zwei Vorstellungen, die ich mit meiner Frau zusammen besuchen konnte.

Highway

Veera ist Tochter aus gutem Hause. Soll heißen, ihr Vater ist Industriemagnat in Delhi. Ihre Hochzeit steht an und wird als Society Event vorbereitet. Veera ist ihrem Zukünftigen nicht abgeneigt, überredet ihn dennoch am Vorabend der Hochzeit wenigstens für ein paar Stunden auszubrechen. Was sich als fatal heraus stellen soll.

Denn bei einem Stopp wird sie zuerst Zeugin eines Tankstellen-Überfalls – und dann noch kurzerhand von den Tätern entführt. Diesen, allem voran dem zu fast allem entschlossene Mahabir, schwant ob Veeras Berühmtheit nichts Gutes: Man ist sich sicher, dass eine Persönlichkeit wie Veeras Vater wie der Zorn Gottes zurückschlagen wird. Man fasst den Plan als ultimative Rache an der Oberschicht Veera im Hinterland in die Prostitution zu verkaufen. Das Unterfangen wird zunächst zu einer road-movie-mäßigen Flucht, die drehbuchmäßig Gelegenheit bietet für Schreckmomente und Possen. Ein schmaler Grat, der storymäßig -gerade nach den Ereignissen des letzten Jahres- gewandert wird.

Je länger man unterwegs ist -Vorsicht Bollywood- schafft es die irgendwie doch herzensgute Veera, die Schale des mit dem Leben abgeschlossenen Entführers zu knacken. Irgendwann sieht sie sogar in ihm den Mann, mit dem sie ihren Kindheitstraum ‚einfaches Leben in den Bergen‘ leben könnte.

…ist dies das Idyll, dass Veera herbei gesehnt hat ?

Hiermit habe ich gerade mal den halben Film erzählt. Vorab: Was sich der Film als einziges vorzuwerfen hat ist, sich zu vielen Themen auf den Teller zu laden. Unüberbrückbare Klassen-Differenzen, Gesellschaftskritik, Kindesmissbrauch, der Stellenwert der Frau in der indischen Gesellschaft. Doch wenn es Indien als Film-Nation an einem mangelt, dann ist das: Bescheidenheit. Gut so.

Und in der Tat können und wollen wir den Charakteren folgen, hat der Film das Herz am richtigen Fleck. Die -unvermeidlich- eingestreute Musik (Entwarnung: keine Tanznummern. Ok: eine kleine) trägt die Handlung voran und obwohl er selbst nach zwei Stunden auf unlösbare Situationen zusteuert, so hat er nicht nur ein Ende, sondern sogar einen Schluss.

Meine Frau nannte es Modern Bollywood.

In Kürze hier: aus biologischem Anbau

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