Berlinale 2014, Film #27 …oder: sexuell und unbefriedigt

der Tag hätte so schön enden können

Top Girl oder la déformation professionnelle

Die nach Jungschauspielkarriere nicht mehr Fuß fassende Helena verdingt sich einigermaßen gewitzt als Prostituierte und Call-Girl. Ihre einstmals frauenbewegte (jetzt viel abgeklärtere) Mutter hütet regelmäßig bei Helenas allein erzogener (schon wieder!) Tochter ein. Je mehr sie die verfahrene Situation ihrer Karriere(n) erkennt, desto entschlossener wird sie, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Leidlich beeindruckend (als was?), doch …tja: reihenweise Lachen des Publikums an unpassenden Stellen. Teilweise vielleicht auch der Verklemmung entsprungen. Aber wen kann (oder will) man heutzutage denn noch mit kinkigen Bordell-Szenen schocken? Oder wurde gedacht, dass ganze wäre eine Farce ? Nun gut, gegen Ende war dies dann tatsächlich der Fall. Doch für die Filmminuten zuvor konnten die bemühten Darsteller nichts, wohl aber das spröde Skript und die Regie. Für die von mir gesehenen 30 Filme hielt dieser den Rekord an Walk-Outs (dafür gibt’s leider kein knackiges deutsches Wort). Ich zählte knapp insgesamt circa 20 Personen, die nach und nach den Saal verließen. Das dürfte nicht, bzw. nicht allein an den (durchaus überschaubaren) Sex-Szenen gelegen haben – denn es verteilte sich über die gesamte Laufzeit des Filmes.

hier laufen nicht die Zuschauer -dies ist eine Art Sex-Jagdpartie

Für was das alles jetzt gut gewesen sein sollte, war den meisten auch nach 90 Minuten nicht ganz klar.

Regisseurin Tatjana Turanskyj ging es nach eigenen Angaben darum,  aufzuzeigen, wie stark die Fremdgesteuertheit des Menschen heute ist. Anhand des Tätigkeitsfeld ‚Sex-Worker‘ (früher sagten wir Prostitution) sollte dies auf die Spitze getrieben werden. Oder so ähnlich. Ihre Worte, nicht meine. Ich war -offen gestanden- nicht mehr in der Laune Notizen zu machen.

Wofür es denn doch noch gut war und was ich meiner Frau (sie ist Britin) immer schon einmal zeigen wollte:

Beim Q&A im Anschluss des Films, das tatsächlich mal auf Deutsch geführt wurde, kam es fast noch zu einem Disput über nichtige Fragen der Inszenierung bzw. der Aufnahme durch das Publikum (siehe oben). Warum Lachen und so. Das müssen wir jetzt ausdiskutieren. Fast, wie gesagt. Zum Glück.

Randbemerkung: auf Deutsch ? Einer der Hauptdarsteller entblödete sich, das Wort „Viewer“ (früher sagten wir Zuschauer) zu benutzen… die Interviewerin versicherte sich bei der Regisseurin, welcher nächste Film bei ihr „in Realization“ sei. Grundgütiger !

In Kürze hier: die Grenzen von Vergebung

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