Berlinale 2014, die 29te …oder : doch noch ein vergessener Klassiker

Nach dem ich einen aufwändig restaurierten Film ja bereits aufwändig verpassen durfte, versprach dieser hier, ein Missing Link im Werk des unterschätzten neuseeländischen Regisseurs Geoff Murphy zu enthüllen. Wer Murphys äußerst bemerkenswerten Endzeit Film „Quiet Earth“ nicht gesehen hat, hat die wohl besten filmische Vision im Schatten des damaligen nuklearen Wettrüsten verpasst. Nachholen ! ‚Utu‘ entstand 1984 kurz vor ‚Quiet Earth‘ , war in Neuseeland sehr, in den USA einigermaßen, erfolgreich und wurde im letzten Jahr unter der Hand des Regisseurs aufwändig digital restauriert und re-arrangiert.

UTU Redux

Matt in drei Zügen, Colonel

Neuseeland 1870. Nachdem die Einwohner seines Heimatdorfes während der Landnahme der Einwanderer niedergemetzelt wird, wechselt der zunächst noch im Dienst dieser Armee stehende Maori Te Wheke die Seiten. Von nun an ist er der Schrecken der Siedler, die Nemesis der vordringenden Truppen. Denn Te Wheke will nicht ruhen, bis ‚Utu‘ wieder hergestellt ist. ‚Utu‘ bedeutet auf Maori sowohl Rache als auch Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht soll  z.B. bei Stammesfehden verhindern, dass die Vergeltung außer Hand gerät und soll sicher stellen, dass Vergeltung nur den direkt Betroffenen zusteht. Die Wahl der Mittel, die Verhältnismäßigkeit kommt aber sowohl Te Wheke als auch den „das Gesetz“ vertretenden königintreuen Soldaten abhanden.

Das Prinzip dieser Verantwortlichkeit zeigt sich im erstaunlichen Schluss des Filmes ein letztes Mal – denn der erwähnten Tradition wird genüge getan werden. Eiskalt.

Der Plot ist Fiktion, die Verbrechen an den Ureinwohnern Neuseelands als auch Vergeltungs-Züge leider nicht. Wir werden Zeuge von Massakern und Vergeltungsakten, von eingebildeten Kavallerie-Generälen, manischen Rächern auf beiden Seiten, von Wut und Verrat. Wenn man sich auch moralisch auf der Seite der Maori wähnen mag – so ist es doch nicht nur faszinierend, sondern bisweilen auch archaisch bis abstoßend, wie deren Kultur Vergeltung und Einklang in Zusammenhang bringt. Andererseits: Krieg …Kultur ? Wahrscheinlich sollte der Betrachter, mehrere Ozeane entfernt kleine Brötchen backen – wenn wir die bewaffneten Konflikte ‚unserer‘ Hemisphäre dagegen halten würden, sowieso.

Der Film atmet zum einen die Filmsprache Murphys, zum anderen die der 80er Jahre generell. Das ist durchaus als Lob gemeint („es war nicht alles schlecht damals“) …und hat heutzutage geradezu ein Vintage Feeling. Fans von ‚Quiet Earth‘ werden den charismatischen Bruno Lawrence als auch diverse Stilmittel wieder erkennen. Und wie schon in „Quiet Earth“ hat der außerhalb von Neuseeland leider verkannte John Charles eine wunderbare Filmmusik beigesteuert.

In Kürze als Abschluss: Fremd im eigenen(?) Land

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