Berlinale 2014, Nachlese…Abspann…Licht An

Randbemerkung diesmal am Anfang : Nachdem ich im Berlinale-Palast Film #30 (den beeindruckenden “ ’71“) gesehen hatte und langsam die Straße entlang schlenderte …hörte ich unweit ein Paar, wie es Passanten ansprach, weil es ein Ticket zu verschenken hatte. Es war „erst“ 20:30Uhr – ich überlegte kurz – und ging dann doch weiter. Es war gut gewesen…

Was mich trotzdem verwundert: Ich spüre schon jetzt so etwas wie Vorfreude auf die nächste Berlinale – letztes Jahr war es um diese Zeit mehr so ein „frag-mich-in-10-Monaten-nochmal“ Gefühl.

20140220-231059.jpgbye bye Roter Teppich

Hier nun meine Nachlese des  Berlinale Jahrgangs 2014. Allgemeines und Spezielles:

Feeling – dieses Jahr war ich wieder und wieder neben der Spur was die Tageszeit betraf. Nicht unangenehm, aber entrückend. [ Wie, schon dunkel ? / Nanu, noch hell? / Ach ich bin ja gerade am Alex und nicht am Potsdamer Platz / Welche Tageszeit ist nochmal? / Wie viel Filme heute noch? / Was, schon nach Hause ? – werde doch gerade erst warm…]

Sound – Ich nehme mal einfach den immer gleichen (…wird es nach 7? Jahren mal Zeit für einen neuen) Trailer als Referenz. Ich meine, in keinen zwei Kinos klang er auch nur annähnernd gleich. Sogar ein paar Mal in der Stereoperspektive subjektiv „verkehrt“. Abgesehen davon: besonders wenn es laut wurde, wurde es schnell auch mittenlastig, was manchmal auch -lästig war. Vielleicht war es aber auch nur ZU LAUT ?

Niemand zwängt sich gerne nach Filmbeginn durch die Sitzreihen, doch ein paar Mal wäre es kommod gewesen, das Personal mal zu bitten 6-10 deziBel zurück zudrehen. Wir brauchen unsere Ohren alle noch. Ok, einige mehr als andere. Man könnte jetzt denken: ist doch auch was… nirgendwo ist es zu leise gewesen ! Doch das Berlinale Publikum ist in der Regel gesittet und gebannt, hier muss nicht wie im Blockbuster-Kino Gelaber übertönt werden. Und Schusswechsel und Auto-Karambolagen in Original-Lautstärke sind nur kurzfristig genießbar.

Klingeltöne – Wenn auch selten (in 30 gesehenen Vorstellungen „nur“ drei Mal), so klingelten die jeweiligen Handys schön lange. Einmal sogar -Nostalgie! – mit einem ca. 10 Jahre alten Nokia-Ringtone.

Allgegenwärtiges designed-in-California-Smartphone – Für jedes Mal, dass ein Klingelton aus Cupertino auf der Leinwand zu hören war, einen Schnaps: ich hätte wohl kaum noch einen Film zu Ende gesehen. Ernsthaft, es scheint unter Regisseuren Konsens zu sein, dass dieses besagte Telefon ein Sinnbild für Smartphone ist. In The Midnight After hielten in einer Szene geradezu alle Protagonisten ihre Telefone gleichzeitig ins Bild. Später im Streifen wurde dann noch beim Verhör eines japanischen Gefangenen clevererweise ‚Google Translate‘ auf dem Smartphone benutzt… Der Film kam passenderweise aus Hong Kong.

Sitzplätze – auch wenn man sich langsam daran gewöhnt, die Unarten

  • a) Jacken in ausverkauften Vorstellungen neben sich zu drapieren
  • b) Plätze ohne Not frei zu lassen und somit hektische „bitte-Hand-heben-wo-noch-frei-ist“-Ansagen zu verursachen
  • c) darauf zu bestehen, da kämen gleich noch 4 Personen für welche die nächsten 4 Sitze „reserviert“ sind

nerven nach wie vor. Ich träume von einer Berlinale mit Sitzplatz-Reservierung. Träumen wird man ja noch dürfen. Zuhause ausdruckbare Tickets waren vor 2 Jahren auch noch Science Fiction….

Gesprächs-Nachbarn – ob nun Vergleiche über Espressomaschinen, offenkundig ahnungslose Urteile zu Filmen, gefährliches Halbwissen, Beschwerden über die ach so volle Stadt… es mag sie ja geben, die sympathischen Zufallsbekanntschaften. Was ich jedoch überwiegend links/rechts hörte, ließ mich weghorchen …und mein Blog wollte ja auch unterwegs geschrieben werden. Ruhmreiche Ausnahme, der niederländische Herr mit dem ich vor ‚Black Coal, Thin Ice‘ die Freude hatte ein Gespräch anzufangen. Das ging dann aber auch von ihm aus.

Die Kino-Top-9 (wir alle lieben Listen, geben wir es zu) – nachdem nun der ZooPalast wieder mitspielt wage ich hier mal eine persönliche Bestenliste. (Delphi und International ausgenommen, da dieses Jahr nichts dort von mir gesehen wurde… lasset gesagt sein: unteres Mittelfeld)

  1. Zoo-Palast
  2. Haus der Berliner Festspiele
  3. Cubix
  4. Cinestar
  5. CinemaxX
  6. Berlinale-Palast
  7. Arsenal
  8. Haus der Kulturen der Welt
  9. Friedrichstadt-Palastund

und dann waren da ja noch … die Filme ! Meine diesjährige Top 10

  1. Boyhood
  2. Calvary
  3. Kraftidioten
  4. Blind
  5. Aloft
  6. Über-Ich und Du
  7. ’71
  8. UTU Redux
  9. Dans la cour
  10. The Darkside

Anzumerken ist: Selbst Platz 10 von gesehenen 30 Filmen ist als Auszeichnung zu sehen… und 30 als Persönliche Vorauswahl von über 150 Beiträgen

Letzte Randbemerkung: Über die Tatsache, welche prestige-trächtigen Filme es nach Berlin „schaffen“ …und welche lieber anderswo Premiere haben will ich mich nicht mehr aufregen. Doch es wurde bemerkt/vermerkt, dass die Festspiele schon wieder „kommerzieller“ geworden sind. Ich kann das nicht bestätigen, bzw. finde es vollkommen in Ordnung, wenn sich neben unsäglich Unverständlichem und sperrigen Melodramen auch gehobenes -ja-Unterhaltungskino findet. Was so manche Film-Auswahl allerdings im Wettbewerb zu suchen hatte und warum manches Juwel es gerade dorthin nicht geschafft hat – ein Rätsel.

[Abblende]

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