Trilogie des ersten Tages (Berlinale 2015 #1)

Berlinale 2015 Tag 1

Laune: hoffnungsfroh, dann ernüchtert

Highlight des Tages: Vorverkauf like a boss. Schieße gezielt die Mehrzahl meiner Wunschtickets ab – und lasse Luft für die nächsten Tage.

Mittags in „Ned Rifle“

Ned Rifle
…eine dankbares Handlungs-Element: Die Handfeuerwaffe

Ich gestehe noch keinen Film von Hal Hartley gesehen zu haben. Vielleicht habe ich etwas verpasst. Nach Ned Rifle bleibt es bei „vielleicht“. Etwas prätentiös kommen die Story, die Dialoge, die Performances rüber. Kurzinhalt: Just 18jähriger will rächen, dass seine Mutter lebenslang wegen Landesverrats in Haft ist und macht sich dafür auf, seinen verschollenen Vater zu finden und zu töten. Ja…hier gab es eine Vorgeschichte über zwei Filme hinweg. Vielleicht kann man das nur mögen oder beurteilen, wenn man die beiden Filme „Henry Fool“ und „Fay Grim“ gesehen hat, welche mit diesem eine Trilogie bilden. Vielleicht ist eine Trilogie, die sich erst über 17 Jahre ergibt aber auch per sé prätentiös. Eine Menge Vielleicht-s.

Früh abends in „The Forbidden Room

Ich hatte mich ja auf einiges gefasst gemacht. Das hier hat aber alles übertroffen, leider nicht im guten Sinne. Von Regisseur Guy Maddin hatte ich schon Wunderdinge und Bizarres gehört. Wenn ich versuchen sollte wieder zu geben, was hier in über zwei Stunden die Leinwand in Raserei versetzte – ich wäre mehr als zwei Stunden beschäftigt. Daher beschränke ich mich darauf, wie es rüberkam. Stellt Euch vor, jemand könnte  (Alb-)Träume scannen, gibt diese dann einem Film-Editor und Grafikdesigner, der wie in einer Persönlichkeitsstörung Baz Luhrmann, Michel Gondry und David Lynch channelt – und ihr könnt es vielleicht im Ansatz ahnen. Stummfilm/B-Film Optik, mash-up Schnitt, getrimmt auf alt oder found-footage aussehend. Anything goes. Ein Bildersturm, als wenn Überreste von zwei Dutzend verschiedenen Filmen durch einen Zufallsgenerator gejagt würden. Absurd, faszinierend, überfordernd.

Wie vom Regisseur zu hören, waren der Ursprungsplan tatsächlich 25 Kurzfilme. Und es wurde tatsächlich eine Software zum Verstümmeln oder Koordinieren des Materials genutzt (meine ich verstanden zu haben).

Ein Fest für Grafikdesigner und Bild-Editoren

Bemerkenswert: allein auf der Empore verloren wir knapp 10 Prozent der Zuschauer. Ich glaube nicht, weil dringende andere Vorstellungen riefen. (Wie es im Parkett war, kann ich nicht beurteilen) Bemerkenswert II: Beim Abspann brach ein fanmäßiger Applaussturm los. Womöglich sehe ich das alles später mal anders, wäre nicht das erste Mal.

Spätabends in „Eco de la Montaña

Ein hehres Ansinnen, die Tätigkeit und das Anliegen des mexikanischen Künstlers Santos Motoapohua de la Torre zu dokumentieren. Als Mitglied der Huichol-Ethnie versucht er unbeirrt, Traditionen zu bewahren. Wie allerdings an vielen Orten dieser Welt ist jedoch dank Regierung oder der nachwachsenden Generation der Erfolg fraglich.

In aller Ruhe, fast schon zu behutsam, begleitet der Film rituelle und Alltags-Handlungen des in der Sierra Madre ansässigen indigenen Volkes. Ich bin ja durchaus unzufrieden, wenn ein „abendfüllender“ Film kaum 70 Minuten auf die Waage bringt – hier hätte es gerne jeweils etwas weniger sein dürfen

Morgen darf es gerne etwas mehr sein.

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