Berlinale 2014 die 11te …oder: Tausche Klassiker gegen wackeliges Art-Haus

Angesetzt war Nayak | The Hero (aus dem Jahr 1966…ein guter Jahrgang). Inhaltsangabe und Assoziationen ließen vermuten, dass Regisseur Satyajit Ray mit diesem seinerzeit auf der Berlinale ausgezeichneten Film eine Art indisches „La Dolce Vita“ entworfen hat. (Für spätgeborene: Fellinis Meisterwerk über die Beziehung von Kunst und Publicity)

Der Held („Nayak“) telefoniert geschäftlich

Doch ach, was nützt es, dass der Film für die Berlinale aufwändigst digital restauriert wurde… wenn er nicht gezeigt werden kann ?

Statt einer kurzen Einführungs-Rede gab uns um 19:05 der Sektionsleiter zu verstehen, dass der Film „heute morgen noch da“ gewesen sei – jetzt aber nicht mehr. Der Hintergrund: die Berlinale hat letztes Jahr vollends den Schwenk zur digitalen Projektion gemacht. Vorbei die Zeiten, dass wir z.B. „2001“ oder „Ryans Tochter“ in 70mm Kopien goutieren durften. DCP ist die Branchenabkürzung für „Digital Cinema Package“ und trivialisiert den Filmvorführer zum Datei-Jongleur. Nun, die Datei von „Nayak“ war offensichtlich gelöscht, korrumpiert…was-auch-immer. Da wird man denken: Sicherheitskopie ?? Neu downloaden ??? Letzteres war angeblich bereits im Gange – würde allerdings rund 50Minuten dauern. (Es waren schlussendlich über 80′)

Wer weiß, wie knapp sich Berlinale Fans ihren Zeitplan gesteckt haben, kann sich die Reaktion des Publikums vorstellen. Mehr als die Hälfte warteten allerdings geduldig. Ich, wie viele Andere entschied schließlich, mich auf den Weg zum nächsten Film zu machen. Da mein Online Ticket nicht erstattet werden konnte, durfte ich mir ein Ticket für die nächsten Tage frei aussuchen. Naja.

Ich sollte die Entscheidung bereuen.

Butter on the latch

Wie konnte das schief gehen ? Josephine Decker hatte mich mit „Thou wast mild and lovely“ am Freitag noch angenehm überrascht und auf eine schöne Berlinale Woche eingestimmt. Dieser, äh, Film basierte aber auf a) Impressionen bei einem Balkan Musik Festival b) improvisierten Szenen und Dialogen c) einer -wie lobten einige im Publikum das später- „innovativen“, „atemberaubenden“ Kameraführung. Die war dann mit der Grund, warum ich nicht folgen konnte:

Über weite Strecken Handkamera, unklar verlaufende Szenenabläufe… dummerweise saß ich in Reihe 4 und musste immer wieder mal beiseite schauen, um meiner Tendenz zu Bewegungskrankheit (vulgo: Seekrankheit) vorzubeugen. Womöglich hatte mich auch das Warten auf „Nayak“ (s.o.) zermürbt. Am Pensum kann es nicht gelegen haben, es war gerade mal Film zwei des Tags lächerlich. Kurzum: ich nickte sekundenweise weg, was bei dieser Inszenierung fatal war.

Also: Let’s share the blame, wie man auf Englisch so schön sagt. Und Regisseurin Josephine Decker gab freimütig zu, dass auf der großen Leinwand hier und heute ihr einige technische/editorische Fehlentscheidungen sträflich zu Kenntnis kamen. Tja, Wackelkamera beim Film-Editing auf dem Laptop ist noch annehmbar. Doch wenn man damit auf die große Leinwand will……… Lerneffekte.

so fühlte ich mich gegen Ende auch

Ach so, eine Handlung -oder so etwas ähnliches- gab es auch. Ich versuche es mal: die Freundinnen Sarah und Isolde besuchen gemeinsam ein Balkan-Musik-Festival im kalifornischen Wald. Die an sich kreative, workshop-artige Atmosphäre kippt, denn die Freundschaft der beiden ist nicht unbelastet -und Sarah ein mentaler, sagen wir mal, Wackelkandidat.

Für den Tag vor dem „Bergfest“… etwas enttäuschend. Doch ein Film vom Kaliber wie „Kraftidioten“ macht einiges wett.

Demnächst hier: Therapie nicht zwecklos

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