25 Dezember 2009

Kleines Weihnachtslied Brevier Teil 2

eine Fortsetzung nachdem der erste Braten verspeist ist und die Geschenke verteilt. Unter mal mehr, mal weniger gewürdigter Musikberieselung

Last Christmas

Die musikalische Klette. Und jedes Jahr hoffen Aberzählige, dass es endlich das letzte Christmas ist (an dem man diese akustische Zuckergießerei ertragen muss). Diese Hoffunung ist wohl mittlerweile begraben. Was hat der Text eigentlich mit Weihnacht zu tun? Interessanter weise von der Plattenfirma zunächst als "Last Easter" geplant gewesen (kein Scherz), dann aber aus Termingründen verschoben. Und so begab es sich wohl, dass Schellenkränz-Gebimmel eilfertig in den Track eingebaut wurde. Offenbar werden in dem Ski-Ort in der Schweiz, der als Schauplatz für das MusikVideo diente mittlerweile Touristenführungen an die Drehorte angeboten. O tempora, o mores.

The Christmas Song (Chestnuts roasting on an open fire)
Wenn White Christmas der meistverkaufte Song ist: dieses ist der (laut der amerikanischen Version der GEMA) meist gespielte. Zig Coverversionen bestätigen dies. Der Text kurioserweise durch Zufall entstanden - um im Hochsommer wenigstens im Kopf kühl zu bleiben. So totgenudelt wie kaum etwas anderes. Tipp: zurück zu einer der ersten Versionen von Nat King Cole: Unbestechlich.

Feliz Navidad
Sollte dann ebenfalls genannt sein - was die Hartnäckigkeit betrifft. Weniger wegen (nicht vorhandener) Cover-Versionen, sondern wegen Über-Benutzung der bekanntesten Version von José Feliciano aus dem Jahre 1970 im deutschen Rundfunk bis weit in die 80 hinein. Wohl weil "Last Christmas" noch nicht erschienen war (?) Wobei das an sich lieb gemeinte Ständchen in seiner Simplizität alsbald anfängt zu nerven und Felicianos leicht knödeliger Tenor ein ähnliches tut.

Merry Xmas (War is over)
Na, das ist doch mal ein Schwergewicht. Und zu Recht. Genau genommen ein Protest-Song gegen den Vietnam Krieg. (Final Chorus "War is over, if you want it.."). Wobei man den Text sowohl christlich als auch sozialistisch lesen kann. Eigentlich eine Schande, dass das Lied seit '71 kein bißchen an Relevanz verloren hat. Wir würden dieses wunderbare Lied doch einfach auch so gerne hören. Selbst mit der unüberhörbar knödelnden Yoko Ono.

White Christmas
Kein anderes Weihnachtslied verkaufte sich häufiger als dieser Oldie. Entstanden im Jahre 1942 stellte sich der Erfolg erst ein paar Jahre später ein...dann aber äußerst beständig. Komponist Irving Berlin wusste alsbald als er es seiner Sekretärin diktierte, dass es etwas großes geschaffen hatte. In seiner Unschuld vergibt man dem Song, dass man ihn eigentlich nicht mehr hören kann. Vielleicht weil er sich so gekonnt an den Mythos weiße Weihnachten andockt...welche in unseren Breiten immer seltener scheinen.

Joy to the world
Wollte eigentlich "Freue dich Welt" in die Liste aufnehmen, doch wie ich beim Recherchieren überrascht feststellte stammt dieser Kirchen-Evergreen aus Großbritannien. Na gut, Musik von Händel. Na gut, der ist fast mehr Engländer als Deutscher gewesen. Bemerkenswerte Version auf dem ebenso großartigem Weihnachtsalbum der Prinzen (namens "Festplatte"). Eins der wenigen Lieder, die schon in der Kirche überzeugen. Soll heißen die man gerne singt (ebenda). Was uns führt zu

O du fröhliche
Für viele im deutssprachigen Raum fast wichtiger als "Stille Nacht". Doch: Man greift ins Leere. Denn die Musik stammt offenbar aus Sizilien. Der deutsche Text ursprünglich gar nicht als reines Weihnachtslied gedacht, jedoch später dazu umgedichtet worden. Erfreulicherweise. Denn kein Weihnachten meiner Kindheit und Jugend wäre komplett gewesen ohne dies Abschlusslied der Gottesdienste. (Dass es nur mit der dann bald bevorstehenden Bescherung zu tun hatte, möchte ich latent bestreiten). Wunderbare, Hoffnung inspirierende Melodie und ein Text voller Dankbarkeit.

20 Dezember 2009

Kleines Weihnachtslied Brevier
Teil 1

Endlich, endlich bekomme ich Lust Weihnachtsmusik aufzugelegen. Jedes Jahr später. Fraglich, ob es daran liegt, dass man rund 50 Weihnachts-CDs über die Jahre (an)gesammelt hat. Oder aber, weil der Overkill jedes Jahr beliebiger wird: Für jede beliebige Christmas-Song-Version ("Chestnuts roasting on an ohohoopen fiiiire") die ich in den Shopping malls lauschen muss einen Zimtstern = ich hätte bis Ostern zu knabbern.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier nun eine kleine Kritik der un-reinen Vernunft über saisonale Songs. Teil 1

Rudolph the rednosed reindeer
Amüsant, nicht mehr, nicht weniger (Na, ja die ersten 3 Male, die man das Lied im Leben hört. Danach beginnt's eigentlich konsequent zu nerven). Ethisch zweifelhaft. Erst schauen die Rentier Kumpel Rudolph nicht mal mit dem Hintern an. Dann, nur weil er quasi befördert wird will jeder sein Freund sein. Pädagogisch nicht sehr wertvoll.

The 12 days of Christmas
Uralt überliefertes britisches Lied in Form einer Zählgeschichte("Four calling birds, Three French hens, Two turtle doves ....And a partridge in a pear tree"). In der Angestaubtheit und Unschuld ("my true love gave to me") schon wieder rührend. Im nichtenglischen Sprachraum sträflich unbekannt - obwohl es diverse namhafte Aufnahmen davon gibt. Wie die vom -insgesamt exquisiten- Weihnachtsalbum Harry Belafontes "To wish you a Merry Christmas".

Stille Nacht
Für manche der Über-Bringer (der Frohen Botschaft, Vorsicht Wortspiel) schlechthin. Allein schon die Entstehungsgeschichte (~die angebliche) mythisch bis ergreifend (Bergdorf, kaputte Orgel, arme Gemeinde...) Musikalisch zu Recht nicht kaputt zu kriegen und durchaus interessant. Angeblich soll das mit dem an solcher Stelle seltenst benutztem Sekund-Intervall (Sti-hille Nacht) zu tun haben. Hier fällt es angesichts der vielen gelungenen Versionen eine hervor zu heben. Fast ebenso schwer wie dieses Kleinod im Kaufhaus hören zu müssen.

Lasst uns froh und munter sein
Schwierig. Da hyper-materialistisch. Denn hier geht es ja Strophe um Strophe nur darum was das lyrische Ich nun endlich geschenkt bekommen wird. Das musikalische Equivalent zu einem quengeligen Kind. Wenn es hingegen von Hermann von Veen auf seinem wohltuend altmodischen Weinachtsalbum von 1980 geträllert wird ist man dann doch wieder einigermaßen versöhnt.

The little drummer boy
Das ist schon Weihnachten pur. [Geschichtlich-historisch natürlich bestenfalls spekulativ, denn von einem Trommler erzählte das Lukas-Evangelium ja bekanntlich nichts.] Als Kind fand ich das "Parapapom-Pom" zunächst affig, dann schnuckelig. Als ich später hinter den Text kam war und bin ich bis heute beeindruckt: Wahres Entzücken, echte Demut, nichts in den Händen, nichts zu geben und anzubieten außer dem Trommelspiel.

Meine persönliche Lieblingsversion auf Harry Connick jr.'s fantastischem Album "When my heart finds Christmas": Fast schon erhaben-ernst. Die Snare-Wirbel mit geschmackvoll viel Hall, geschickte Dramaturgie mit Crescendo und Decrescendo.

Legendär das Duett von Bing Crosby & David Bowie in einem Fernsehspecial. Egal wie womöglich kalkuliert, dennoch bewegend: Bowie's ex tempore "Peace on earth, can it be..?"

was uns überleitet zu...
Fortsetzung folgt.

10 Dezember 2009

Ganz schlechte Idee




Manchmal sollte man meinen, man wohnt nicht in Berlin sondern Buxtehude oder Bunkenhausen. Und das kam so:

Zunächst einmal: Ein "Hörplatz" in der Staatsoper heißt Hörplatz, weil... siehe Foto. Als Hörspiel habe ich Mozarts Zauberflöte auch noch nicht erlebt. Eine Lektion für's Leben. Die Liebste und ich hatten den pflichtschuldigen Hinweis vor und bei der Online Buchung beide übersehen. Einmal und nicht wieder.

Ab irgendeinem Zeitpunkt hört man dann auch auf, den Hals zu Recken, was sowieso nur mit konstant vornüber gebeugte Haltung oder verschränkten Armen auf dem Geländer vor einem geht. Remember Frau Straatmann ? Doch das geht ja wie gesagt auf unsere Kappe.

Hier noch ein ebenso wichtiger Tipp: wenn man wenige Minuten vor Beginn sieht, dass die eigenen Plätze offenbar belegt sind... so nehme man nicht irgendwelche anderen freien, besser scheinenden. Die Chance ist relativ groß, dass deren Inhaber noch später als man selbst erscheinen - und man ein paar Runden "Reise nach Jerusalem" (ostdeutsch:Stuhltanz, englisch: musical chairs) vor sich hat.

Es dauerte endlos scheinende Minuten, bis wir nun endlich den dreisten drei Besetzern unserer Plätze klar gemacht hatten, dass es hier Platzreservierungen gibt. Spielen offenbar doof oder dummdreist oder wasweisich. Haben auch noch alternative Vorschläge zur Platzierung. (Die Kühnheit !) Quälend langes Gedränge beim Wechseln. Drittes Läuten und das Orchester stellt langsam das Stimmen der Instrumente ein. Den Auftrittsapplaus für den eintretenden Dirigenten (sehen kann ich das nicht, doch alle anderen klatschen ja auch) nehmen wir selig, nein genervt lächelnd endlich sitzend ein.

Doch was ist das ? Keine 3 Takte der Ouvertüre sind verklungen und eine an sich nett aussehende junge Dame schiebt sich von rechts in unsere Reihe. Uns kann sie nicht meinen, sondern: Bingo ! Eine der Dreisten Drei, die jetze links von uns Platz genommen hatten. Auf ihren späten aber berechtigten Hinweis, dass das ihr Platz sei entgegnet die Sitzerin allen Ernstes, dass es doch jetzt aber schon angefangen hätte. In der Tat ! Und so verbringe ich bis kurz vor Beginn des ersten Aktes die Zeit halb stehend - den Kopf letztlich verzweifelt auf meinen auf dem Geländer verschränkten Armen. Bis sich die drei Debütantinnen (?) endlich trollen.

Was aus den drei Grazien geworden ist ? Wir haben eine Ahnung sie vor Beginn des zweiten Aktes einen Rang unter uns auf Plätzen mit weitaus besserer Sicht gesehen zu haben.

02 September 2009

Benny Hill

Selbst schuld, wenn man Yakety Sax als Klingelton ausgewählt hat. Spontaner Morgen-Ohrwurm. War über ein Jahrzehnt Titelmelodei der in Großbritannien am Ende leider sehr umstrittenen Benny Hill Show. Er selbst schon vor seinem Tod quasi zur persona non grata geworden.

Und man dachte, nur die Amis wären verklemmt.

03 Juni 2009

Latten und Räder

Ob ich einige angefangene Entwürfe noch verwurste und veröffentliche...mal sehen.

Hier meine aktuellsten Erregungs Angebote:
Wie muss man gepolt sein, um sein kleines bisschen Befriedigung aus dem Zertreten einer Baumspiegel-Einfassung zu holen ? Wie simpel ?

Die beiden Fotos sind wohlgemerkt aus zwei verschiedenen Wochen und sind nur zwei Beispiele. Jedesmal flickt ein guter Geist die Latten mit Spax-Schrauben kunstfertig.

Außerdem:
Welcher Planer hat jemals versucht, Fahrräder aus einem Fahrradständer mit 70cm Abstand zu manövrieren, geschweige denn an-oder abzuschließen ? Vorher keinen Espresso trinken, hinterher langsam bis 20 zählen, denn man möchte am liebsten jemand hauen.


Letztlich etwas fast ohne Erregung, nur um meine hohe Scham-Schwelle zu beweisen. Musste ich neulich mal meiner britischen Freundin vorführen. Zur Kenntnis: Aus der Sammlung meines Vaters...

08 April 2009

erste Angebote

Nach circa einem Jahr ist es Zeit für einen neuen Blogtitel finde ich. Hier ein paar erste Angebote (wenn auch nicht so polemisch wie im neuem Titel eigentlich geplant)

Darf ein Radio Eins Redakteur ein Wort wie "Anziehsachen" benutzen ? (Anke Leweke, über irgendeinen Film salbadernd) Das ist doch bloß noch einen Schritt entfernt von "Leeres Trinken" anstatt "Leergut", wie neulich bei Ottis Schlachthof kolportiert.

Ach, wer es noch finden kann: die Verleihung des deutschen Kleinkunstpreises 2008, womöglich in Wiederholung auf 3sat oder ZDF Theaterkanal oder so. Ganz groß: Sebastian Krämer mit einem dröhnenden Chanson "Ihr hättet es verhindern können" an alle Deutschlehrer sowie der treffliche Wilfried Schmickler. Der hatte wieder einmal mächtig Überdruck und begann seine Dankesnummer mit einer minutenlangen Suada, in der er jeden, aber auch wirklich jeden derzeitigen politischen Scheinriesen abmeierte. Atemlos und wahrlich erregend.
Was ganz anderes: endlich mal vernünftige Musik in der S-Bahn !
Sobald Töne erklingen zuckt man ja schon unangenehm berührt zusammen und erwartet die üblich nervenden osteuropäischen Saxophon+Schifferklavier+Rassel Banden. Doch diesmal ein Mann mit Gitarre. Eine muntere Folkballade ("Mississippi" von Bob Dylan?), die sich von Westhafen bis kurz vor Schönhauser Allee erstreckte. So macht man natürlich kaum Geld, denn viele Fahrgäste waren schon wieder ausgestiegen.
Als ich ihm endlich meine Taler in den Becher schmeißen konnte sah er von nahem wie eine etwas heruntergekommene Version von Beppo Pohlmann (vgl. Gebrüder Blattschuss) aus. Zu Hause angekommen zeigte eine Recherche, dass es dem dann derzeit doch wohl etwas besser gehen muss.

04 April 2009

Cruise spendet Licht

Gestern am Vorabend auf Radio Eins "Die Schöne Woche"
Moderatorin Marion Brasch: "Madame Tussaud's Wachsfigurenkabinett hat verlautbart, dass sie diverse Figuren doppelt haben und in Kürze zum Verkauf anbieten werden. Da kann man dann z.B. einen Tom Cruise erstehen..."
Moderator Robert Skuppin: "Dann würd' ich bloß noch nen Docht einziehen, ihn bei mir auf die Toilette stellen und anzünden..."

27 März 2009

Unser Land

Prolog: seit ca. 3 Wochen bin ich wieder in der Lage LPs zu hören, ohne dass die Nadel bei jedem Schritt in der Wohnung über die Platte hüpft. (Danke Volker.) Einer der kleineren Benefits meines Hornbach-würdigen ("es gibt immer was zu tun") Umbaus der Wohnung.

Beim Neuverkabeln des Computers und der ca. 11 Stromstecker seiner Peripherie legte ich ein Album auf, dass mir auf dem Weg zur Arbeit aus was auch immer für einem Grund in den Sinn gekommen war: "Sturm" von Hans Hartz aus dem Jahre '82.
(eben entdecke ich, dass der gute Mann im Jahr 2002 verstorben ist... R.I.P.)

Hans Hartz war... ja was war er eigentlich?

Angeblich ehemaliger Sozialpädagoge aus Husum, der für eine Deutschrock-Karriere entdeckt worden war. Klingt furchtbar, doch im Rückblick waren nur die Frisur und die Brille nur durch das Jahrzehnt entschuldbar. Ansonsten richtig guter Deutschrock, 80er mit allem Drum und Dran.

Als ich die Platte heute zum ersten Mal nach geschätzt 12 Jahren wieder hörte kam mir -warum erst jetzt- die Erkenntnis: das war so was wie der Versuch eines deutschen Joe Cocker. Und kein schlechter. Mit allem Wenn und Aber, ok.

Ich verplaudere mich! Track 3 der ersten Albumseite ist ein Song, der m.E. nach für eine damalige Wirtschaftskrimiserie "Schwarz Rot Gold" geschrieben worden war (mit dem damals noch voll im Saft stehenden Uwe Friedrichsen als Zollfahnder Zaluskowski).

Da es um Zoll-, Steuer- und Finanz-Schwindel ging war es kein Zufall, dass der Text wie ein Kommentar auf die letzen Monate erschien:

Schlafe, mein Prinzchen schlaf ein
träum deine Träume allein
das Land hat die Augen längst zu
träume, mein Prinzchen, auch du

Alptraum...
von diesen Leuten, von Bossen, von Multis
und wie sie alle heißen
die mit Jokern beim Pokern uns so gern
ganz legal bescheißen
zwischen uns und denen eine Wand aus Glas
weißt du was

Das ist unser Land, unser Land
doch es gehört nicht dir und mir
denn dieses unser Land
ist fest in andrer Hand
wer außen vorsteht
das sind wir!

Alptraum...
von solchen Leuten, von Haien und Maklern
und wie sie alle heißen
die mit Samsonite ins Ausland gehen
vorm Bankfach stehen
wie schön ist es zu reisen
zwischen uns und denen eine Wand aus Glas
weißt du das

Das ist unser Land, unser Land
doch es gehört nicht dir und mir
denn dieses unser Land
ist fest in andrer Hand
wer außen vorsteht
das sind wir!

Niemandsland, Niemandsland
pass auf, solang noch Zeit ist
steck den Kopf nicht in den Sand
Niemandsland, Niemandsland


Ok, teils sozialkitschig, aber dennoch markig und richtiger als wir jemals ahnten.
Wohlgemerkt: Wir dachten damals wir würden verarscht...

14 März 2009

Uff

In drei Zimmern die Wände gestrichen, so ziemlich alles in meiner Wohnung umgeräumt, unzählige Gänge in den Keller und zur, ähem Altpapier-Tonne... so langsam geht's etwas auf die Knochen. Wie hieß das so schön bei Blumfeld ? Der Körper macht von sich reden. (Dennoch interessant, dass ich einen Dauerlauf zur S-Bahn gestern sehr locker hinbekommen habe.) Das alte Sofa geht heute vormittag wohl noch weg, die antike Nähmaschine und den Fernseher-Tisch wollte bis jetzt keiner haben ..und..und..

Wenn ich mich nach der letzten Um/Zuzugs-Etappe heut abend mit "ihr" und ihrem Sohn auf's Sofa plumpsen lasse wird sich alles gelohnt haben. Und: die Sonne scheint.

09 März 2009

Man muss sich auch mal von was trennen können

Ach, ja.
Nachdem nun auch im erweiterten Bekanntenkreis keine Interessenten sind (wäre so schön gewesen, das Teil in bekannte Hände abzugeben) wird mein berüchtigtes blaues Sofa wohl morgen von einer allgemeinnützigen Stiftung abgeholt.
Bis die Liebste nebst Sohn hier einzieht muss halt noch ein ganzer Raum mehr oder weniger frei werden - und das heißt für das mittlerweile zum Gästebett mutierten Teil: so long.
Übrigens: auf der website der Berliner Stadtreinigung als Link gefunden - und immer noch besser, als für Sperrmüll-Abholung auch noch Geld zu bezahlen.
Sonstiges Highlight des Tages:
Kommentar von Friedrich Küppersbusch auf Radio Eins, zum Thema ob denn nun die Kinderpornographie Vorwürfe jenes derzeit vorverurteilten Politikers vorab medial besprochen werden sollten. "Wie sollte man ihrer Meinung damit medial umgehen?" "Gar nicht." (Kurzversion)
Er verglich die derzeit sonst noch kursierenden kleineren und größeren Krisen (Pius-Brüderschaft, Opel-Desaster, Althaus-Wiederkandidatur) und zitierte den Philosophen Peter Sloterdijk, der (sinngemäß) gesagt haben soll, dass all dies "Erregungs-Angebote" seien: Das was die Volksseele halt so braucht und wovon die Nachrichtenagenturen wöchentlich so einige Tausend raushauen.
Trefflich.

28 Januar 2009

nicht mehr ganz frisch

Ich gestehe: Auch mir fiel es erst vor kurzem beim Einkauf, dafür aber umso schlagartiger auf.

Es gibt ja unter meinen Freunden den einen oder die andere der mit Milch nichts anfangen kann ob aus gesundheitlichen, geschmacklichen oder ethischen Gründen.

Und auch wenn diese Sau derzeit vermehrt medial durch's Dorf getrieben wurde - hier nochmal in aller Deutlichkeit: Was mittlerweile bei den meisten Supermarkt-Ketten im Kühlregal zu finden ist, hat mit frischer Milch so gut wie nichts zu tun.

Stichwort: "extra lange frisch", "hält länger frisch" oder branchengemäß: ESL für extended shelf life (erweiterte Lagerfähigkeit).

Dass frische Milch keine rund 3 Wochen Mindesthaltbarkeit hat (und nie hatte) sollte eigentlich klar sein. Wurde uns aber -mangels Kennzeichnungspflicht wie bei der H-Milch- schleichend heimlich untergejubelt.

In Kürze: dieses Lifestyle Produkt, welches bei Rewe/extra/Aldi/Edeka/Kaisers mittlerweile 50-90% im Milchregal ausmacht, wird auf 127°C erhitzt (zum Vergleich: H-Milch 135°C) und/oder mikrogefiltert. Was Keime entfernt, aber auch Vitamine und den typischen Frischmilch-Geschmack.

Wie es schon vor einiger Zeit so treffend in der taz stand: moderne Milch würde eher schimmeln als denn sauer werden, dafür ist mal gesorgt. Was so viel heißt, dass bei dieser vermeintlich länger haltbaren Plempe sich geschmacklich kaum feststellen lässt ob sie noch genossen werden sollte. Denn: "extra lange frisch" bezieht sich nur auf die verschlossene Packung. Sobald die Packung auf ist zählen die gleichen 5-6 Tage Haltbarkeit...

03 Januar 2009

Prost Aspirin

Schon etwas seltsam, wenn das alte Jahr aufhört mit einer voll entwickelten Mandelentzündung mit allem Zick und Zack - und das neue anfängt mit Gurgeln, Aspirin, Fieber... Feuerwerk vom Balkon beobachtend und Sekt gerade mal nippend. Was das alles doch noch irgendwie erträglich macht - die Liebste an der Seite. Nicht von der Seite weichend.

Nun denn, wenn auch sehr verspätet, liebe/r LeserIn: Alles Gute im Neuen Jahr !

Übrigens: Zeit -wenn noch nicht geschehen- noch einmal einen Blick zu werfen auf www.zwodreivier.de ...die Domäne wird bald abgeschaltet. Schöne Zeiten waren's, doch sie sind letztlich wirklich vorbei. Und die Chance auf Wiederholung nurmehr eine Chance. Wie meine Amis und Brits so schön zu sagen pflegen: movin' on.

27 Dezember 2008

Vom Nachbarn geadelt

Mein Nachbar Herr K. ist so, wie sich alle die nicht in Berlin wohnen einen Berliner vorstellen. Etwas brummig scheinend, um keine Meinungsäußerung verlegen, merklich berlinernd und herzensgut wenn man ihn kennen lernt. Wir hatten unsere Konflikte - wobei ich hier das Wort "scheinbar" voranstellen müsste:
Ich röste Kaffee selbst und koche auch mal spät, er ist sehr geruchsempfindlich (Außerdem ist die Zwischenwand unserer Wohnungen nur unzureichend abgedichtet, offenkundlich).
Ich höre mal laut Musik, er schläft als Berufskraftfahrer auch zu Tageszeiten. Alles Sachen, die sich klären lassen.
Mithin haben wir langsam eine fast freundschaftliche Beziehung aufgebaut. Pakete annehmen füreinander, sich Tips geben usw.
Als er mir neulich im Hausflur steckte, dass wir schon wieder eine neue Hausverwaltung hätten (ein Wasserfleck an meiner Decke harrt seit einem Jahr auf Beseitigung) erwiderte ich, dass das ganze für mich ein endliches Problem sei, ich ziehe Ende März aus und mit meiner Freundin zusammen.
"Schade, nu hab ick mer jrade an sie jewöhnt." Näher kommt man sich in Berlin mit Nachbarn selten.

21 Dezember 2008

4. Advent oder:
"Himmlische Heere jauchzen Gott Ehre"

Zeit für ein Geständnis. Realisiere hier seit ein paar Tagen, dass mir eins zu Weihnachten in der Tat... fehlt: Der Kirchgang. Anders gesagt, die Erdung, welche die Christvesper nach all dem Trubel mit sich brachte.

Zugegebenerweise war ich bereits während der letzten Jahre in meiner alten Heimat zu etwas geworden, das ich und insbesondere mein Vater früher immer mit hochgezogener Augenbraue betrachtet hatten - zu einem U-Boot-Christen(...jemand der nur einmal im Jahr auftaucht). Mittlerweile könnte ich die Frage zur Konfession noch weniger beantworten: Fühle mich keiner Religion hingezogen, gar verpflichtet; respektiere aber jede (wenn sie mich respektiert). Ich schweife ab.

So aufwühlend die Vorweihnachtszeit damals auch war, so sehr man sich auch mit Shopping, Schmücken, Abstimmungen im Ablauf des Heiligabends etc.pp.et.al. einen wuschigen Kopf gemacht hat - um halb sechs war das alles passé. Wenn in der Pauluskirche das Licht zum Gottesdienst gelöscht wurde, war dies nicht nur sozusagen die Kurve in die Zielgerade... es brachte auch die dringend benötigte Ruhe und Besinnung. Dankbarkeit, Geborgenheit. Neben meinen Eltern auf der Kirchenbank. Bei den lebens-und volksnahen Predigten eines Pastor Affelds.

All das kam mir vor kurzem in den Sinn, als ich in wikipedia Autor und Geschichte eines Liedes recherhierte, das -da eher kirchlich und deutsch verortet- noch nicht durch Weihnachts-Zwangs-Berieselung verdünnt worden ist: "O du fröhliche". Als Zusatz las ich und erinnerte mich, dass es in evangelisch-lutherischen Gemeinden am Heiligen Abend unter vollem Geläut gesungen wird. Hatte einen Kloß im Hals. Ja, so war es: erst der Segen des Pastors, dann stehend aus hunderten von Kehlen "O du fröhliche". Damals wie heute Tränen in den Augen.

Abgesehen davon, dass diese Zeiten aus ganz verschiedenen Gründen vorbei sind
...und abgesehen davon dass mich eine Freundin dieser Tage daran erinnerte, dass es für mich meistens spät aber dann richtig Weihnachten wird :

Erinnerungen wie diese sind genug um sich der Vergänglichkeit bewusst zu werden und für all das Gute im eigenen Jahr umso dankbarer zu sein. Nichts ist selbstverständlich.